﻿[0:00:00.0] Interviewtranskript

Tag:		29.06.2023
Uhrzeit:		12:58
Ort:		Physikvorbereitungsraum, ESG Spremberg
Zeitpunkt:	nach Intervention/während letzter Stunde

I: Ja, also erst mal danke, dass du das Interview mit mir machst. Es gibt jetzt kein richtig und kein falsch. Das, was du sagst, ist völlig in Ordnung so. Mich interessieren deine spontanen Gedanken. Wenn du auf eine Frage keine Antwort weißt, dann ist das nicht schlimm. Oder wenn du nicht antworten möchtest, dann machen wir weiter. Das erst mal dazu. Ich brauche am Anfang dein Pseudonym, damit ich weiß... Einfach nur laut sagen. 

[0:00:25.6] B: Ach so. Jetzt muss ich es selbst überlegen. A, A, Y, 1, 4, A. 

[0:00:38.2] I: Wunderbar, dankeschön. Du warst ja auch mit vor zwei Wochen zur Exkursion. Was ist denn da noch so in Erinnerung geblieben? Erzähl einfach mal. 

[0:00:51.2] B: Wir sind da angekommen und dann wurden wir in diesen Raum geführt. Wir haben uns selbst ein Bild gemacht von der Situation. Dann haben wir sehr viel erzählt bekommen. Wir wurden mit dieser Geschichte vertraut gemacht. Wir haben Grundwissen über dieses Kraftwerk und die Funktionsweise erlangt. Dann wurden wir in Gruppen geteilt und haben diese Führung gemacht. Wir haben uns verschiedene Sachen angeguckt und waren auch da oben. Was ich da etwas schade fand, war, dass dieser Mann... Ich finde, man hätte aus dem Ausflug etwas sehr Spannendes machen können. Nur die Weise, wie es rübergebracht wurde und dass wir so wenig eingebunden wurden von ihm, hat es ziemlich uninteressant für uns folgen lassen. Es war schwierig, ihm diese zwei oder ein, zwei Stunden permanent zuzuhören und konzentriert ihm zu folgen. 

[0:01:43.7] I: Gibt es vielleicht trotzdem etwas, was dir in besonderer Erinnerung geblieben ist? Ein Erlebnis, ein Fakt oder etwas Ähnliches? 

[0:01:50.7] B: Zwei Sachen, die ich sofort damit verbinde. Das Erste war, als wir in dieser Halle drin waren, wo dieser trockene Gips gelagert wurde. Da haben wir Fragen gestellt und er hat uns viele erklärt. Deswegen war das ein Punkt, an den ich mich sofort erinnere. Das Zweite war da oben auf diesem Aussichtspunkt. 

[0:02:11.7] I: Was waren das für Fragen, die ihr ihm da gestellt habt? 

[0:02:15.0] B: Das ist eine sehr gute Frage. Das kann ich jetzt leider nicht so beantworten. Wir haben ihn gefragt, wie das da zum Beispiel reinkommt. Ob da jetzt so große LKWs kommen oder wie das abläuft. Wie das ist, wenn da Wind kommt. Es war ja alles pulvermäßig. Das hat er ganz gut erklärt und sehr verständlich. Dann wollten auch einige da hochgehen. Im Prinzip war ein Weg oben drüber. Dann meinte er, da können wir nicht hochgehen.

[0:02:44.8] I: In der Stunde geht es darum, was ihr so über den Kohleausstieg denkt. Die Frage, Ökostrom, Tarif, ja oder nein. Vorziehen des Kohleausstiegs, ja oder nein. Da interessiert mich deine spontane Meinung dazu. 

[0:03:01.6] B: Es ist schwierig, sich da fest zu positionieren. Auf der einen Seite ist der Kohleausstieg notwendig, um das Klima zu schützen, auch auf lange Sicht. Beziehungsweise das, was noch zu schützen ist. Aber auf der anderen Seite, gerade weil wir in der Lausitz sind, ich kenne viele Leute, die bei der LEAG angestellt sind. Für die bedeutet das Arbeitslosigkeit. Klar haben die mittlerweile auch schon Positionen im Ausblick, wo die sagen, da könnte ich hingehen. Aber wenn man dann Leute hat, die einem nahestehen, die dort angestellt sind, die das auch betrifft, dann denkt man da noch mal anders drüber. 

[0:03:34.7] I: Wie bist du zu dieser Meinung gekommen? 

[0:03:38.6] B: Ich habe ja keinen festen Standpunkt. Durch Medien erfährt man, dass es wichtig ist, dass wir etwas tun. Dieser Kohleausstieg ist ja notwendig. Das sagt auch die LEAG an sich, dass es die richtige Entscheidung ist. Aber man muss auch bedenken, dass es seine Folgen hat. Dieses Vorziehen des Kohleausstiegs wäre ja auch problematisch. Was ja auch viele Kritiker mittlerweile erreichen wollen. 

[0:04:09.4] I: Hat denn irgendetwas an dem Unterricht in den letzten Wochen oder an der Exkursion zu dieser Meinung beigetragen? 

[0:04:16.6] B: An sich gar nicht. Beide Seiten wurden mir noch mal aufgeführt und Argumente. Aber dass ich jetzt sage, das hat grundlegend meine Meinung jetzt nochmal beeinflusst oder geändert, das war nicht der Fall. 

[0:04:29.0] I: Was wusstest du vorher schon zum Thema? 

[0:04:32.4] B: Im Prinzip wusste ich schon viel über das Kraftwerk an sich, weil ich da auch schon öfter war und Leute kenne. Ich wusste auch schon viel über die LEAG und über den Tagebau und über den Kohleausstieg. Ich habe mich auch schon vorher mit dem Thema vertraut gemacht, weil es uns in der Lausitz betrifft. 

[0:04:51.9] I: Darf ich fragen, was das für Leute sind, die du da kennst? Sind das Verwandte, sind das Freunde?

[0:04:57.0] B: Unterschiedlich. Verwandte ja, teilweise. Dann auch noch aus einem engen Bekanntenkreis und Familie usw. Es ist gut gemischt. 

[0:05:07.6] I: Alles klar. Was hast du denn in den letzten Wochen Neues erfahren? 

[0:05:13.8] B: Vieles, was dort erklärt wurde. Das meiste ist nicht so, dass man auf lange Sicht sagen könnte, das kann ich jetzt erklären oder noch mal zusammenfassen. Aber diese Funktionsweisen und viele Fakten über das Kraftwerk, das ist komplett neu dazugekommen. Aber auch diese Tiefgründigkeit des Themas, was uns vor Augen geführt wurde. Klar konnte man schon sagen, über den Kohleausstieg denke ich das und das. Und über das Kraftwerk weiß ich das und das. Aber wir hatten viele Argumente, die uns vor Augen geführt wurden. 

[0:05:46.0] I: Wie war deine Einstellung zum Thema Kohleausstieg, Energieversorgung und Klimaschutz davor? Hat das irgendwie... so wie jetzt oder irgendwie anders?

[0:05:57.7] B: Ich würde sagen, es hat sich nichts geändert. Es ist genau so, dass ich wieder sage, ich habe mehr Wissen dazugewonnen. Klar nimmt man bestimmte Sachen mehr wahr, wo man vorher nicht so drauf geachtet hat. Oder auch schon mittlerweile viel überlegt, inwiefern könnte diese erneuerbare Energie etwas beeinflussen, wäre es sinnvoll, darüber nachzudenken, vielleicht selbst darauf umzurüsten. Aber ansonsten hat es nicht viel beeinflusst.

[0:06:25.5] I: Wie sehr interessierst du dich für das Thema Energieversorgung? 

[0:06:28.7] B: Es geht. Ich würde nicht sagen, dass ich mitten im Thema stehe. Aber ich finde es schon interessant. Ich finde, zumindest mit grundlegenden Sachen sollte man sich schon ein bisschen auseinandergesetzt haben. 

[0:06:40.6] I: Wie wichtig ist dir das Thema für dein Leben außerhalb der Schule? 

[0:06:45.2] B: Eigentlich schon relativ wichtig. Weil es betrifft ja auch mich und meine Zukunft. Wie ich ja schon sagte: Vor allem, weil ja auch Leute aus meiner Familie oder aus meinem näheren Umfeld sehr damit konfrontiert sind. Daher erfahre ich auch von denen viel darüber. Deswegen ist es für mich auch ein Bestandteil. 

[0:07:03.5] I: Jetzt denken wir mal an die Aufgabenstellung, die ihr bekommen habt, was ja jetzt eben nochmal wiederholt wurde. Wie authentisch findest du die Aufgabe? 

[0:07:14.3] B: Ich finde sie authentisch. Ich finde, es hat uns alle weitergebracht in irgendeiner Art und Weise. 

[0:07:26.1] I: Wie hat dir das, was ihr im Unterricht dazu gemacht habt, zur Bearbeitung der Aufgabe geholfen? 

[0:07:31.5] B: Schon sehr, weil wir im Voraus uns nochmal viel intensiver damit beschäftigt. Ich glaube, hätten wir diese Vorarbeit im Unterricht nicht geleistet, wäre es deutlich schwieriger gewesen, im Kraftwerk wirklich viele Zusammenhänge zu verstehen und verknüpfen zu können. 

[0:07:50.4] I: Wenn wir jetzt mal an die Materialien denken, fallen dir da konkrete Materialien ein, die dir geholfen haben? 

[0:08:00.5] B: Wir hatten ja verschiedene Arbeitsblätter. bzw. Informationsmaterialien. Was ich gut fand, war dieses mit den Arbeitern, diese Arbeitslosigkeit, diese Massenarbeitslosigkeit, die da ja eben infrage gestellt wurde. Wo ja aber auch dieser Vertrag von der LEAG kam als Beispiel. Dass wirklich viele eigentlich abgesichert sind. Dass es schon vorgebeugt wird undsoweiter. Aber auch viele Werte, die wir dort entnommen konnten, die haben schon sehr geholfen. Weil ich denke, es ist zuverlässiger, wenn man ein Blatt vor sich hat, von dem man weiß, es kommt von einer zuverlässigen Quelle, als wenn man im Internet nach bestimmten Werten sucht. 

[0:08:39.4] I: Haben die Materialien und Texte, die du dort gelesen und dir angeschaut hast, einen Einfluss darauf gehabt, wie du über das Thema denkst? 

[0:08:48.8] B: Nicht unbedingt, aber es hat auf jeden Fall mir geholfen. Also es hat mir neue Informationen gegeben, wie zum Beispiel was ich grad erwähnt habe, dieser Vertrag von der LEAG,, davon wusste ich nichts, dass eben LEAG sehr vorsorgt und eben auch viele Arbeite absichert. Das war mir neu und das finde ich auch gut. 

[0:09:07.0] I: Du hast vorhin schon mal den Mann angesprochen, der euch durch das Kraftwerk geführt hat. Wie schätzt du sein Fachwissen ein? 

[0:09:23.2] B: An sich denke, ich, sein Fachwissen ist schon sehr gut. Ich denke, er ist sehr authentisch in dem, was er tut und was er uns erzählt hat. Das klang schon sehr professionell, weil er ja auch sagte, dass er bereits in Rente sei und da viel Jahre verbracht hat. Und ich glaube, er war da schon von Anfang an. Daher denke ich schon, dass er hat viel miterlebt hat da und eben viel Wissen da hat. 

[0:09:50.0] I: Und wie schätzt du seine Einstellung zum Kohleausstieg ein? 

[0:09:53.6] B: Uns hat er direkt keine Meinung irgendwie dargelegt, was ich in irgendeiner Art auch verstehe. Aber ich denke... ich weiß es nicht tatsächlich, was er darüber denkt. Ich denke, irgendwo ist es notwendig. Und das wird er wahrscheinlich auch sehen. So genau kann ich mich da auch nicht positionieren. 

[0:10:16.2] I: Ihr habt ja die Broschüre in Gruppen erstellt. Wie war es denn für dich, in deiner Gruppe zu arbeiten? 

[0:10:25.9] B: Es war ein sehr gutes Klima und da wir auch in anderen Unterrichtsstunden bzw. Fächern viel, was Gruppenarbeit angeht, zusammenarbeiten, ist es überhaupt kein Thema. Und das hat alles geklappt und harmoniert. Und die Arbeitsteilung war auch gut. 

[0:10:40.5] I: Und welche Rolle spielt die Arbeit in der Gruppe oder das gemeinsame Erleben des Ausflugs mit der Klasse für dich jetzt allgemein und für die Bearbeitung der Aufgabenstellung? 

[0:10:49.3] B: Ich denke, beim Bearbeiten der Gruppe ist es ein deutlich angenehmeres Arbeiten, als wenn man das alleine macht. Bei uns ist es einfach so, dass man die Meinung anderer hört und auch hört, was sie darüber denken und viele neue Erkenntnisse eben auch gewinnen kann, die man vielleicht vorher gar nicht so wahrgenommen hat.

[0:11:11.0] I: Inwiefern hat dieser Austausch in der Gruppe das beeinflusst, wie du darüber denkst über das Thema? 

[0:11:17.6] B: Ich würde nicht sagen, dass es das beeinflusst hat, weil meine Meinung ist eigentlich sehr standhaft und hat sich davon auch nicht beeinflussen lassen. Aber ich fand es einfach interessant von Gleichaltrigen, die sich ja genauso wie ich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, eine Meinung darüber zu hören. 

[0:11:40.9] I: Wenn du jetzt mal dein Arbeitsverhalten im Unterrichtsprojekt der letzten Wochen mit deinem Arbeitsverhalten im sonstigen Unterricht vergleichst, fallen dir da irgendwelche Unterschiede auf? Wenn ja, welche? 

[0:11:50.7] B: Ich denke, es gab schon einen Unterschied. Ich war viel mehr bei der Sache und habe mich wirklich mehr darauf konzentriert und auch außerhalb geguckt, dass ich mich mehr damit beschäftige. Es war ja schon allein dieses Informationssuchen usw. Und im "normalen Unterricht" ist es ja mehr so, da muss es ja dann auch ein Thema sein, was man wirklich gut kann, damit es auch Spaß macht, dass man sich damit beschäftigt. Und bei diesem Thema war ja ausschlaggebend, dass wir dieses Kraftwerk, diese Exkursion hatten, was uns natürlich auch ein bisschen angekurbelt hat und worauf wir uns ja auch gefreut haben. Und somit war das eben viel mehr mit etwas Positivem verbunden als normaler Unterricht. 

[0:12:31.3] I: Nur damit ich es richtig verstanden habe: Für dich spielt jetzt also die Tatsache, dass du dort die Exkursion mitgemacht hast, dadurch warst du dann mehr bei der Sache? Oder gab es auch andere Punkte, wie dass das Thema spannender war oder dass die Art und Weise, wie ihr im Unterricht gearbeitet habt, anders war? 

[0:12:52.0] B: Ich würde eigentlich allem, was sie sagen, zustimmen. Ich denke, die Punkte sind ausschlaggebend dafür gewesen, dass ich mich mehr auf den Unterricht gefreut habe und da deutlich aktiver war als sonst. 

[0:13:05.8] I: Okay. Gut, dann schaue ich mal, ob ich irgendeine Frage vergessen habe. Ich glaube nicht. Hast du noch irgendeine Frage oder möchtest du noch irgendwas ergänzen? 

[0:13:18.0] B: Mich würde interessieren, wenn Sie das preisgeben möchten, wie Sie denn dazu stehen zu diesem Kohleausstieg, weil es ist ja ein sehr umstrittenes Thema. 

[0:13:25.7] I: Ja das ist jetzt die Frage, ob du dann danach nochmal was schreibst oder nicht. Wenn du danach mal was schreibst, sage ich es dir nicht. 

[0:13:32.4] B: Nein, ich schreibe danach nichts mehr. 

[0:13:34.2] I: Okay, dann mache ich aber trotzdem das Ding sonst aus. Möchtest du sonst noch irgendwas? 

[0:13:39.7] B: Nein, alles gut. 

[0:13:41.2] I: Dann bedanke ich mich erstmal, dass du das Interview mit mir gemacht hast. 
